Der Abschied von Jasper und unseren Freunden fiel uns so schwer, dass wir dafür zwei Anläufe benötigten.

Den ersten Versuch unternahmen wir an einem Samstagmorgen. Alles war gepackt, das Gästezimmer geputzt und unsere Bäuche mit einem reichhaltigen Zmorge gefüllt. So verabschiedeten wir uns schweren Herzens von Edi und Elisabeth. Nach dem ersten absolvierten Kilometer hielten wir im Dorf inne. Wäre es nicht schön gewesen, Edi heute zu seinem Cabin nach Valemount zu begleiten? Und morgen mit ihm, seiner Tochter Christine und ihrer Familie den Pyramid Mountain zu besteigen? Aber können wir einfach umkehren und uns für zwei weitere Tage einquartieren? Ja, lass es uns tun! Reservierte Campingplätze in Lake Louise und im Yoho Nationalpark hin oder her.
Edi und Elisabeth waren noch in der Küche, als wir an die Tür klopften. Habt ihr etwas vergessen? Nein, wir haben längi Zyty! Ihr fröhliches Lachen verriet uns, dass wir noch immer willkommen waren😊. Wir räumten unsere Taschen wieder ins Untergeschoss und beendeten den wohl kürzesten Fahrtag unserer Reise nach nur zwei Kilometern.

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Tatsächlich hätten wir uns keinen besseren Abschluss unseres Aufenthalts in Jasper wünschen können, als mit Edi Bauholz in sein heimeliges Blockhäuschen in Valemount zu transportieren und am nächsten Tag den markanten Hausberg Jaspers mit Velo und zu Fuss zu erklimmen. Merci für die schöne Zeit, Edi, Elisabeth, Nicole, Christine, Marty… und Jasper!

Als wir uns am Montagmorgen zum zweiten Mal verabschiedeten, stimmte das Bauchgefühl und dank Rückenwind und herrlichem Sonnenschein fanden wir schnell den Tritt in den Veloalltag. Dass wir diesmal einige Lebensmittel im Kühlschrank vergessen hatten, realisierten wir erst nach 30 Kilometern und kehrten deswegen nicht zurück😉.

Bei bestem Wetter war die Fahrt auf dem spektakulären Icefield Parkway von Jasper nach Lake Louise ein purer Genuss! Allzu viel Zeit wollten wir uns jedoch nicht nehmen, da heftige Gewitter und Regenschauer vorhergesagt waren. Dunkle Wolken im Rücken und die ersten Regentropfen machten uns auf der Einfahrt nach Lake Louise denn auch schnelle Beine. Unser Aufenthalt im Touristenort beschränkte sich vorerst auf einige Stunden, um die Regenfront auszusitzen.

Für einen Abstecher in den Yoho Nationalpark ging es zum Kicking Horse Pass hinauf, dann rasant auf einem vierspurigen Highway ins Tal hinunter und sofort wieder hoch zu den eindrücklichen Takakkaw Falls. Hier hatten wir eine Übernachtung auf dem Campingplatz gebucht, um am nächsten Tag den spektakulären Iceline Trail zu erwandern. Auch wenn die letzten Kilometer der Rundwanderung langweilig waren, hatte sich der Ausflug in den Yoho Nationalpark sehr gelohnt!

Auf derselben Strecke ging es zurück nach Lake Louise. Obwohl das kleine Dorf auf seinen Campingplätzen insgesamt 395 Stellplätze bietet, sind diese im Sommer Wochen im Voraus ausgebucht. Wir hatten unsere Reservierung zugunsten des längeren Aufenthalts in Jasper storniert und hofften nun, dass nette Campinggäste ihren Platz mit uns teilen würden. Dies war überhaupt kein Problem. Die freundliche Dame im Empfangshäuschen hatte nichts gegen unseren Plan und bei einem jungen Paar aus Deutschland durften wir das Zelt neben dem Wohnmobil aufbauen. Wegen schlechten Wetters strichen wir unser Wanderprogramm in Lake Louise und fuhren am nächsten Morgen weiter nach Banff. Auch dort war alles ausgebucht, aber wir verbrachten einen tollen Abend auf dem Stellplatz eines Backpacker-Paars aus Australien. Da uns im unpersönlichen und von Besucherströmen überfluteten Banff nicht viel hielt, setzten wir unsere Reise ohne längeren Aufenthalt in Richtung Canmore fort. Vom dortigen viel gelobten Schweizer Spezialitätengeschäft waren wir ziemlich enttäuscht. Dafür fanden wir eine Bäckerei mit himmlischem Rhabarberkuchen nach Schweizer Art, wovon wir uns gleich zwei Stück gönnten.

Ab Canmore war die Fahrt durch die schroffe Bergwelt der Kananaskis eine würdige Fortsetzung des Icefield Parkways und bot grossartige Panoramen wohin wir auch blickten. Fürs Übernachten durften wir uns wieder zu einem deutschen Weltenbummlerpaar stellen. Es ist wirklich toll, dass alle Zeltplätze ausgebucht sind und wir dadurch spannende Leute kennenlernen😊!

Eine lange Abfahrt brachte uns innerhalb eines halben Tages aus dem Gebirge direkt in die Prärie. Nachdem wir viele Wochen von Outdoorbegeisterten umgeben waren, fühlten wir uns im Cowboy Land bei Longview in einer anderen Welt. Hier dominierten enge Jeans, Cowboyhüte, Höfe, umzäunte Kuhweiden, Trucks mit Pferdeanhängern, Beef-Jerky-Geschäfte und Erdöl-Förderanlagen das Bild.

Wir folgten der verkehrsreichen Strasse Nummer 22 in Richtung Süden und genossen dabei die schönen Ausblicke auf die Umrisse der Rocky Mountains am Horizont. Ab Pincher Creek nahmen wir Kurs auf den Waterton Nationalpark und pedalierten über eine sehr schöne Strecke wieder in die Berge hinein. Im Dörfchen Waterton verbringen wir nun unsere letzten Tage in Kanada, freuen uns über das sonnige Wetter, lassen uns von der Lethargie auf dem Campingplatz anstecken und unternehmen vielleicht die eine oder andere Wanderung.