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Pannen
Zelt
ohne Dusche
>50% Sonne
Schokolade
Endspurt durch Südkalifornien
Schon lange haben wir uns nicht mehr so sauber und organisiert gefühlt, wie bei der Abfahrt aus St. George. Ein Zustand, der erfahrungsgemäss nie lange anhält😊.

Ein bisschen chaotischer wurden unsere Taschen schon nach dem Halt beim Supermarkt, wo wir uns bei Schleuderpreisen an der Spezialitäten-Käsetheke nicht zurückhalten konnten. Auch die Schweizer Schokolade hatte in diesem Geschäft den zollbedingten Preisaufschlag noch nicht mitgemacht. Also griffen wir zu😊! Dass wir wegen des spontanen Grosseinkaufs etwas mehr Gewicht über einen kleinen Pass in den Bundesstaat Nevada schleppen mussten, war uns völlig egal.
Nach einer langen, tollen Abfahrt durch eine karge Wüstenlandschaft erreichten wir den Ort Mesquite. Von hier gab es schon bald keine Alternative mehr zum breiten Seitenstreifen auf der Autobahn Interstate 15. Kurz vor der Auffahrt begegneten wir Baldur, einem sympathischen Veloreisenden aus Deutschland. Er schloss sich uns an bzw. legte vor, sodass wir im gegenseitigen Windschatten die 30 Autobahnkilometer blitzschnell hinter uns brachten. Zu dritt radelten wir noch bis Moapa Valley, wo wir uns nach einem gemeinsamen Mittagessen bereits wieder von Baldur verabschiedeten. Wir verbrachten hier einen Pausentag am Laptop während er weiterradelte.

Nicht unbedingt ausgeruht aber zufrieden, den letzten Bericht veröffentlicht zu haben, machten wir uns am nächsten Abend auf die Fahrt in Richtung Las Vegas. Unterwegs besuchten wir den Valley of Fire State Park, welchen wir von unserer letzten Reise etwas überwältigender in Erinnerung hatten. Aber der Spaziergang durch einen kleinen Slot Canyon war ganz schön und wir konnten im Visitor Center unser Wasser auffüllen.

Die Einfahrt nach Las Vegas war auf vierspurigen Strassen mit wenig Verkehr sehr entspannt. Und da unsere Warmshower Gastgeber in einem hübschen Vorort wohnten, konnten wir uns den Weg ins Stadtzentrum sparen. Im lebehaften Familienhaushalt fühlten wir uns so wohl und willkommen, dass wir statt der vorgesehenen zwei, ganze vier Nächte hier verbrachten. Dies, obwohl der Schweizer Sennenhund Douglas ins Gästezimmer geschlichen war und genüsslich unsere letzten Käsereserven verschlungen hatte. Eigentlich hätten wir ihm ordentlich Bauchweh gegönnt, aber wir waren vorgewarnt und hatten versehentlich die Zimmertüre offengelassen. Folglich plagte uns ein schlechtes Gewissen und ihn sein Käsebauch😊.

Obwohl wir die Casinos am Strip nur von aussen besichtigten, vergingen die Tage in Las Vegas wie im Flug. David hatte einen Riesenspass am Flippern im Spielautomatenmuseum und wir beide fütterten einen einarmigen Banditen in einer dunklen Spielhöhle an der Fremont Street im «alten» Las Vegas. Der Automat schluckte unsere vier Dollar gerne und hätte uns 50 Cent zurückgegeben, wenn wir nur herausgefunden hätten, wie der Gewinnschein einzulösen wäre😉. Ausgezeichnete Unterhaltung bot auch das Musical «Little Women», welches wir mit unserer Gastgeberfamilie in einer Bibliothek abseits des Trubels besuchten.

Nach vier Tagen in Las Vegas war es für uns höchste Zeit, aufzubrechen. Denn unser US-Visum war nur noch acht Tage gültig und bis zur Grenze nach Mexiko lagen 700 Kilometer mit über 7’000 Höhenmetern vor uns. Nachdem wir Las Vegas und die Autobahn Interstate 15 hinter uns gelassen hatten, radelten wir auf kleinen, asphaltierten Strassen über merkwürdig schiefe Ebenen durch die karge Landschaft der Mojavewüste. Schon aus der Ferne sahen wir jeweils die nächste Steigung auf uns zukommen, die typischerweise auf 30 Kilometern gleichmässig und schnurgerade einen Gebirgszug überwand. Die Anstiege waren zäh und forderten uns, wurden aber immer mit einer ebenso gleichmässig geraden, rasanten Abfahrt belohnt. Erst in der landschaftlich reizvollen Umgebung des Joshua Tree National Parks wurde die Strasse kurviger und schlängelte sich zwischen Granitblöcken und knorrigen Joshuabäumen hindurch.

Auf vielfache Empfehlung hin, peilten wir für die Einreise nach Mexiko den kleinen, beschaulichen Grenzübergang von Tecate an. Die direkte Route dorthin führte uns über den schönen Santa Rosa Pass und in das für seinen Apfelkuchen bekannte Dörfchen Julian. Beides können wir im Rückblick nicht weiterempfehlen: Die schmale Passstrasse mit unübersichtlichen Kurven war zum Velofahren keine Freude. Hier rechnete niemand mit Hindernissen wie Velofahrern auf der Fahrbahn. Selbst bei Gegenverkehr wurden wir ohne zu verlangsamen überholt und fürchteten uns zwei Stunden lang vor den haarsträubenden Überholmanövern. Wen wunderts, dass die meisten Velos auf den Ladeflächen von Pickups ausgefahren werden?!
Zwar war die Fahrt in Richtung Julian nicht viel angenehmer aber immerhin pedalierten wir nun auf den Apfelkuchen zu. Und weil wir unserem Znüni so sehr entgegengefiebert hatten, taten wir, was man in Touristenfallen tut: Wir tappten hinein😉. Wir folgten unserer Nase in eine der zahlreichen Bäckereien und gönnten uns ein Stück Apfelkuchen, einen Apfel im Teigmantel und einen Filterkaffee zum Teilen. Für 20 Dollar plus obligatorisches Trinkgeld gab es Pappgeschirr, Plastikbesteck und kein besonders leckeres Gebäck. Schade, aber gegessen haben wir es trotzdem😊.

Dank langen Fahrtagen, die wegen netten Begegnungen oft erst im Dunkeln endeten, lagen wir gut im Zeitplan. So verbrachten wir die letzten Nacht in den USA nur etwa 15 Kilometer vom berüchtigten Grenzzaun entfernt und rollten am nächsten Morgen gemütlich zum Grenzübergang in Tecate. Die Stimmung war sehr entspannt und der mexikanische Grenzoffizier erlaubte sich den Spass, uns das kostenpflichtige Einreiseformular zunächst nicht aushändigen zu wollen. Erst als wir unseren Schweizer Pass zückten, waren die Einreiseformalitäten plötzlich ganz schnell und unkompliziert erledigt. Entgegen allen Warnungen und Befürchtungen fühlten wir uns in Tecate auf der anderen Seite des Grenzzauns vollkommen sicher. Wir hoben sorglos Bargeld ab und passierten auf dem Weg zu unserem Gastgeber Carlos unzählige wohlriechende Essensstände. Mmmh…, aufs Essen in Mexiko hatten wir uns schon lange gefreut! Zum Glück kommen wir an Tacoständen, in der Bäckerei oder Brauerei auch ohne Sprachkenntnisse durch. Denn leider sind unsere ambitionierten Pläne, Spanisch zu lernen, auf der Strecke geblieben und wir müssen uns wieder daran gewöhnen, dass wir uns nicht mit den Leuten unterhalten können. Aber jetzt haben wir viel Gelegenheit zum Üben…















































Herzlichen Dank für eure Beiträge. Wir freuen uns immer wenn ein neuer Beitrag kommt :-).
Ich sage jeweils zu meinem Mann: «s’Tschaupe händ wieder gschribä!»
Mega spannend zu lesen. Ein grosses Abenteuer. Unglaublich was ihr alles leistet – Gratulation!
Wir wünschen euch noch eine erlebnisreiche und sichere Weiterfahrt. Geniesst es.
Beste Grüsse
Muriel&Herbert
Liebe Muriel, lieber Herbert
Voilà, s’Tschaupe haben wieder einen neuen Beitrag veröffentlicht😀!
Herzlichen Dank für die lieben Komplimente. Für uns ist es richtig spannend, wer unseren Blog verfolgt.
Viele Grüsse & frohe Adventszeit, David & Regula
Sehr Interessant! Auf dass das US-BIP kräftig weiter wächst und ihr auch die Glücksspielindustrie in Las Vegas nicht vernachlässigt;-) Weiterhin viel Glück – auch auf dem Velo!
Der obige Titel hätte mein Name sein sollen. Ich bin der provokative Urheber;-) Ihr kennt mich und wisst, wie ich es meine. Herzlich, Alexander
😘 … das haben wir uns gedacht😀!
Inwiefern unsere Zockerei auf US BIP niederschlägt, wird sich in den nächsten Quartalszahlen zeigen. Oder werden die nun nicht mehr veröffentlicht🙄?
Immerhin haben wir 100% unseres Einsatzes verloren. Danke, das Glück ist sonst so oft auf unserer Seite!
Apropos USA und Politik: Wir haben uns oft überlegt, mehr dazu im Blog zu schreiben. Insbesondere, dass uns (und vielen Leuten in den USA) die Entwicklungen Sorgen macht. Aber dieses Fass wollten wir gar nicht öffnen…
Falls du an einer kontroversen Debatte interessiert bist, dieser Wikipedia-Artikel ist sehr zu empfehlen (und beunruhigend): Donald Trump and Fascim