Den ersten Tag in Costa Rica starteten wir mit frischem Kaffee, knusprigem Brot, hausgemachtem Joghurt, Müesli, Käse, Spiegeleiern und einem grossen Früchteteller. Mmmh…! Zum Glück hatten wir uns bei Agi und Guido zum Frühstück angemeldet, es war himmlisch und reichlich😊! Doch nicht alle Gäste hatten so viel Appetit wie wir, weshalb Agi ein Brot übrig hatte und es uns schenkte!

Aktiviere Karte Deaktiviere Karte

Mit vollen Bäuchen rollten wir noch einige Kilometer auf der Panamericana, bevor wir auf eine kleine Landstrasse nach Osten abbogen. Wir waren erstaunt, dass es auf der schönen Strecke so wenig Verkehr gab. Dies erklärte sich, als die gute Asphaltstrasse ab Santa Cecilia zu einer Piste wurde. So ging es halt etwas holpriger aber trotzdem recht angenehm weiter. Bald begann der Aufstieg in Richtung Lago de Arenal. Mit grünen Wiesen und grasenden Kühen erinnerte uns die liebliche Landschaft an die Schweiz. Einige Flüche entlockten uns die erbarmungslosen Anstiege. Wer baut 20% steile Strassen, beispielweise mitten im Dorf Monteverde?! Doch die Anstrengungen lohnten sich alleweil, denn wir wurden von unserer herzlichen Warmshowers-Gastgeberin Ellen empfangen und durften uns in ihrem Haus mitten im Grünen gemütlich einrichten.

Costa Rica ist bei Besuchern für seine Naturschönheit bekannt und beliebt. Im ganzen Land gibt es viele Nationalparks und Reservate, so auch in den Bergen von Monteverde. Wer mit oberschenkeldicken Objektiven auf Vögel schiesst, wird sich nicht über Eintrittspreise von 29 US-Dollar pro Person für den Drei-Kilometer-Spazierweg beschweren. Uns war dies jedoch zu teuer. Wir fanden einen Wanderweg durch den Nebelwald, welchen wir umsonst, weitab vom Trubel und ohne Führer begehen durften. Obwohl wir keine aufregenden Tiere sahen und die Pflanzenvielfalt für uns Laien vor allem grün aussah, machte uns die Kraxelei durch den Dschungel richtig Spass. Drei Nächte verbrachten wir in der angenehm kühlen Bergluft, bevor wir uns von Ellen verabschiedeten und in die Hitze der Nicoya Halbinsel abtauchten.

Wir hatten den Abstecher nach Sámara deshalb in unsere Route eingebaut, weil eine Freundin mit einem Tico von dort verheiratet ist und wir unsere Souvenirs aus Mexiko bei ihrem Schwiegervater deponieren durften. Als wir in Sámara ankamen und unsere Nachrichten abriefen, erwartete uns eine unglaublich tolle Überraschung: Rünggi und Rodrigo hatten zwei Übernachtungen in einer Unterkunft für uns organisiert und nachgefragt, um welche Zeit wir denn im Restaurant eines Freundes essen gehen möchten. Wow, ihr Lieben, da ihr habt uns eine Riesenfreude gemacht! Vielen, vielen herzlichen Dank😘!!!
Unsere letzte Pause war zwar erst zwei Tage her, aber wir hatten überhaupt kein Problem damit, in Sámara bereits wieder einen Ruhetag einzulegen und unsere Seelen baumeln zu lassen. Dazu lädt der schöne Strand auch wirklich ein. Was für ein glücklicher Zufall, dass unter den vielen Touristen hier auch zwei bekannte Gesichter waren: Pati und Leti aus dem Bündnerland, die wir in Nicaragua kennengelernt hatten. Wir verbrachten einen gemütlichen Abend mit den beiden, bevor unsere Reise weiterging.

Gerne hätten wir die Abfahrt aus Sámara noch etwas hinausgezögert, denn zum Pedalieren war es uns eigentlich zu heiss und die Strecke sah furchtbar hügelig aus. Aber wir wollten den Abschnitt hinter uns bringen, also los! Dank etwas Fahrtwind, Schatten spendenden Bäumen und unseren geliebten Helmkrempen war die Hitze am Morgen und am späten Nachmittag erträglich. Die Steigungen auf der staubigen Piste waren hingegen so übel, dass selbst David kapitulierte und schieben musste. Nach einer langen Siesta mit wohltuendem Eiskaffee folgte gegen Abend die Entschädigung für den anstrengenden Vormittag. Die inoffizielle Strasse führte nämlich eine Weile direkt über den hart gepackten Sand am Strand entlang. Was für ein tolles Gefühl! Sehr schön war auch unser Übernachtungsplatz direkt am Meer… bis sich im Dunkeln der ganze Boden vor lauter Einsiedlerkrebsen zu bewegen begann.

Am nächsten Morgen erreichten wir nach einigen staubigen aber flachen Kilometern den Touristenort Santa Teresa. Was vor ein paar Jahren noch ein verschlafenes Fischerdorf war, ist heute ein beliebtes Ziel für Yoga-, Surf- und andere Wohlfühltouristen mit hohen Kreditkartenlimits. Uns gefiel die Ausverkaufsstimmung an reiche Nordamerikaner und Europäer überhaupt nicht. Wir sprachen mit einigen von ihnen, alle waren sehr nett und ihre Auswanderungsgründe waren nachvollziehbar. Trotzdem fanden wir die Masse von Leuten, die mit dem Geld aus ihrer Heimat hier teure Liegenschaften kaufen und ein unbeschwertes Leben führen, ziemlich abstossend.

Auch am zweiten Tag brachte mich die Fahrt über die Südspitze der Nicoya Halbinsel mit ihren steilen Anstiegen fast zur Verzweiflung. Ob ich nur schwitzte oder dazu auch heulte, war egal. Also tat ich beides. Irgendwann hatten wir Cóbano und damit die Asphaltstrasse erreicht. Uff, das war eine unerwartet herausfordernde Strecke gewesen! Bis zur Fähre aufs Festland und anschliessend auf der Küstenstrasse bis Dominical rollte es sich wesentlich einfacher. Ausser endlosen Palmölplantagen gab es allerdings nicht viel zu sehen. In Dominical verbrachten wir die vorerst letzte Nacht am Pazifik, diesmal mit nachtaktiven Halloween-Krebsen.

Der Aufstieg von Meereshöhe auf 1’100 m.ü.M. in Richtung San Isidro war typischerweise mit Steilstufen gespickt und brachte uns so arg ins Schwitzen, dass David beim Znüni den Schweiss aus seinen Kleidern auswringen konnte. Nach einer ausgiebigen Mittagspause in San Isidro machten wir frühzeitig Feierabend: David hatte eine allergische Reaktion, seine linke Armbeuge war rot und geschwollen und sein ganzer Oberkörper juckte. Die Suche nach einer günstigen Übernachtungsmöglichkeit dauerte eine Weile, aber wir wurden fündig und wuschen im Airbnb erst einmal unsere Kleider gründlich aus.

Vielleicht hat dies geholfen, jedenfalls war Davids Jucken am nächsten Tag verschwunden. Zudem mussten wir auf der Überquerung der Talamanca Gebirgskette nicht mehr so jämmerlich schwitzen. Sowohl die Steigung als auch die Temperaturen waren sehr angenehm und die Fahrt durch den Bergwald eine wahre Freude. Nachdem wir die ersten 1’700 Höhenmeter hochgekurbelt waren, wollten wir in einem kleinen Dorf bei einem Fussballplatz übernachten. Die Frau, welche wir um Erlaubnis fragten, brachte uns zum Haus ihres Onkels, wo wir im Garten unser Zelt aufstellen durften. Am nächsten Morgen waren die verbleibenden Höhenmeter zum höchsten Strassenpass Costa Ricas schnell erledigt. Erstaunlicherweise besitzt der Übergang auf läppischen 3’300 m.ü.M. weder einen Namen noch ein Hinweisschild!

Dass mein Velo auf der langen Abfahrt komische Knackgeräusche von sich gab, war nicht gerade vertrauenserweckend. Nach genauem Hinhören lokalisierten wir die Ursache in meinem Hinterrad. David zog die etwas lockeren Speichen sorgfältig nach, was allerdings keine Besserung brachte. Glücklicherweise befanden wir auf dem Weg in die Stadt Cartago, wo es einige Velomechaniker geben sollte. Wir rechneten zwar nicht damit, dass uns am späten Samstagnachmittag jemand helfen könnte, wollten es aber dennoch versuchen. Auf der Stadteinfahrt kamen wir an einer unscheinbaren Werkstatt vorbei. Der anwesende Mechaniker nahm sich sofort Zeit für uns und fand schnell das Problem: abgenutzte Kugellager in meiner Hinterradnabe. Eine Stunde später hatte er die Kügelchen der Lager ausgetauscht und verlangte für den spontanen Service umgerechnet 12 Franken, Material inklusive.

An unserer weiteren Route lag ein Ort namens La Suiza. Diesen wollten wir uns natürlich nicht entgehen lassen. Unmittelbar neben dem Dorf Canadá gelegen, hatte La Suiza absolut nichts zu bieten! Sogar die ansonsten allgegenwärtigen Riesenbuchstaben des Ortsnamens fehlten. Wir begnügten uns mit einem Selfie vor dem Schild der Bäckerei und fuhren weiter der Karibik entgegen. Obwohl wir gelesen hatten, dass es an der karibischen Seite von Costa Rica feuchter und regnerischer sei, kam der Regen überraschend und ungelegen. Mussten wir doch erstmals seit vielen Wochen unsere Pelerinen aus den Taschen kramen.

Auf dem Seitenstreifen der Autobahn nach Puerto Limón hatten wir zwar genug Platz, laut und verkehrsreich war es trotzdem. Entsprechend froh waren wir, als die meisten Lastwagen zum Hafen abbogen und wir in Richtung Stadtzentrum weiterfuhren. In Puerto Limón landete nicht nur Kolumbus auf seiner vierten Entdeckungsreise, sondern auch ein grosses Kreuzfahrtschiff mit deutschsprachigen Gästen. Wir verbrachten die Mittagspause etwas abseits des Rummels und genossen die gelassene, entspannte Atmosphäre. Diese fanden wir auch im Dörfchen Cahuita, wo wir auf der Zeltwiese einer Reggae Bar übernachteten. Nicht nur bei Reggae Musik, sondern ganz allgemein liefen die Uhren in der Karibik etwas langsamer und gemütlicher als am Pazifik. Uns hats gefallen!
Am letzten Morgen in Costa Rica besuchten wir zum ersten Mal einen Nationalpark. Für den schönen Spaziergang durch den Wald bis zu einem Kap mussten wir nämlich keinen Eintritt bezahlen😉.

Bis an die Grenze zu Panama prägten riesige Bananenplantagen mit bescheidenen Arbeitersiedlungen das Landschaftsbild. Von hier kommen unsere Chiquita- und Del-Monte-Bananen! Der komplizierte Grenzübertritt wurde dem organisierten und ordentlichen Costa Rica nicht gerecht. Der Container der Immigrationsbehörde war erst beim genaueren Hinsehen als solcher erkennbar und das Kabäuschen, wo die Ausreisegebühr zu entrichten war, war erst recht unauffindbar. Ähnlich gestaltete sich dann der Ablauf auf der anderen Seite der Brücke in Panama. Es wäre viel einfacher gewesen, unbemerkt an den Behörden vorbeizufahren, als sich nach deren Schaltern zu erkundigen.

Fünf weitere Kilometer durch Bananenplantagen brachten uns zur Finca unseres Warmshower-Gastgebers Francisco. Bei ihm durften wir unser Zelt aufbauen und ihm alle möglichen Fragen zu Panama und seinen Leuten stellen, was sehr spannend war. Heute ging es flach durch viel Grün bis nach Almirante, wo wir die Fähre zur Insel Colón bestiegen. Nun tuckern wir in gemütlichem Tempo dem Hauptort Bocas del Toro entgegen, wo wir ein paar Tage Pause machen werden.