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Zelt
ohne Dusche
>50% Sonne
Schokolade
La Gitanita bringt uns nach Kolumbien
Da wir bereits in Puerto Lindo übernachtet hatten aber erst um 15 Uhr in der Marina mit unseren Mitreisenden und der Crew des Segelschiffs verabredet waren, genossen wir den freien Vormittag beim Kaffeetrinken.

Zur Mittagszeit fanden wir uns am Hafen ein, um unsere Velos für die bevorstehende Reise vorzubereiten. Gerade als wir die Fahrräder in die extrastarken Plastiksäcke verpacken wollten, kam unser Kapitän César vorbei und riet uns, die Velos ohne Umhüllung auf Deck zu befestigen und nach Ankunft in Kolumbien gründlich abzuspülen. Wir liessen uns überzeugen und wurden wenig später vom ersten Offizier Memo und von Koch Milton begrüsst. Sie zeigten uns unsere Unterkunft für die nächsten Tage, die Bugkabine auf der 16 Meter langen Segelyacht La Gitanita (die Zigeunerin). Wir verstauten das Gepäck und warteten bei einem weiteren Kaffee auf die anderen Passagiere. Die acht sympathischen Rucksacktouristen aus den Niederlanden, Südtirol, Deutschland, Brasilien und der Schweiz kamen pünktlich an. Alle waren ungefähr 15 Jahre jünger als wir😉. Nachdem sie eingewiesen worden waren, gingen wir zum gemeinsamen Abendessen ins Dorf. Wir waren längst zurück auf dem Boot, als um 22 Uhr Kapitän César eintraf. Ohne ein Wort zu sagen, warf er den Motor an, bekreuzigte sich dreimal und stach mit uns in See.
Der erste Offizier Memo hatte uns vor rauer See gewarnt und darum gebeten, eine Tablette gegen die Seekrankheit zu nehmen. Dies taten wir und legten uns unverzüglich hin, weil wir einschlafen wollten, bevor es richtig schaukelte. Daraus wurde leider nichts… Es dauerte keine Stunde bis wir uns abwechselnd übergaben. David rollte sich in einem Gemisch aus Erbrochenem und Meerwasser, welches durch die undichte Luke schwappte, am Boden des winzigen «Flurs» zusammen während ich mich im ebenso winzigen «Badezimmer» an die Wand lehnte und alles von mir gab, was ich konnte. Was für eine schreckliche Nacht! Wer tut sich so etwas freiwillig an und bezahlt auch noch viel Geld dafür?! Und wie sollten wir bloss die nächsten fünf Tage überstehen?

Die Erleichterung war riesig, als wir um 6 Uhr morgens vor einer der 365 Inseln des San Blas Archipels ankerten. Endlich! Es kostete uns viel Überwindung, uns und unsere Kabine so gut herzurichten, dass wir uns auf Deck präsentieren durften. Was für eine Wohltat die frische Luft und die Brise waren! Uns ging es schnell besser und mit Appetit genossen wir das leckere Frühstück mit frischen Früchten, Toast und Müesli. Richtig erfrischend war danach der Sprung ins Wasser und der kurze Schwumm an Land. Wir verbrachten den ganzen Tag auf der Insel und weil ich von der schlaflosen Nacht noch ziemlich benommen war, durfte ich problemlos auf viel Rum, Volleyball und Karaoke verzichten. Die Tortur hatte also auch ihr Gutes😉. Unsere Truppe war sehr angenehm und unkompliziert aber alle waren sehr grosse Partymäuse! Der Alkohol floss in Strömen und manche konnten sich am nächsten Tag nicht mehr lückenlos an die Ereignisse erinnern😊.

Obwohl wir uns den ganzen Tag vor der Rückkehr aufs Boot und in unsere Kabine gefürchtet hatten, war es irgendwann soweit. Wir schluckten eine Tablette und legten uns sofort hin. Doch die Angst war glücklicherweise vergeblich. Vor Anker und mit geöffneten Luken konnten wir in dieser Nacht wunderbar schlafen und uns mit dem Schiff versöhnen. Die folgenden zwei Tage plätscherten ruhig vor sich hin. Wir besuchten zwei weitere Inseln, schnorchelten an sterbenden Riffs und David spielte Karten und Volleyball. Das grosse Partymachen, das Sonnenbaden in der prallen Karibiksonne und das Posieren in täglich (mehrmals) wechselnden Outfits überliessen wir den anderen. Im Gegensatz zu unseren Mitreisenden war die Überfahrt für uns primär die beste (🤔) Art, um von Nord- nach Südamerika zu gelangen. Für sie hingegen waren die Inseln, Strände, Bikinifotos und Partys das eigentliche Reiseziel und dagegen hatten wir überhaupt nichts. Im Gegenteil: Die Stimmung war ausgesprochen fröhlich und wir waren beeindruckt, dass sich alle freiwillig eine Auszeit von den sozialen Medien gönnten (trotz vorhandener Starlink-Verbindung!). Und es war – so denke ich – in Ordnung, dass sich Oma und Opa am zweiten Abend ausklinkten😉.

Nach einem Lagerfeuer mit einer anderen Reisegruppe und einigen selbstverliebten Seglern zum Abschluss des dritten Tages kam das Unvermeidliche, vor dem uns graute: Der Anker wurde eingezogen und wir nahmen Kurs aufs offene Meer in Richtung Kolumbien. Zwei Nächte und anderthalb Tage verbrachten wir auf See… und sie gingen tatsächlich vorbei. David übergab sich nur noch einmal und schlief oder döste danach 24 Stunden lang auf einer Bank im ruhigeren Heck des Bootes. Diesen Platz teilte er sich mit zwei anderen, denen es ähnlich ging. Einige von uns – ich war eine davon – fühlten sich an der frischen Luft auf Deck viel wohler. Wir verbrachten viele Stunden damit, wortlos in die Wellen zu starren und jegliche Bewegung zu vermeiden. An dieser Stelle zwei nützliche Tipps:
- Wähle niemals die Bugkabine! Dort schaukelt es viel stärker und das Krachen der Wellen ist sehr laut. Vielen Leuten wäre das ganz klar, uns Landratten wurde es klar gemacht.
- Trinke nur minimal, damit möglichst wenig Flüssigkeit im Magen herumschwappt. Das hilft wirklich und erspart dir erst noch den unangenehmen Gang zur Toilette, welcher auf dem Schiff ein anspruchsvolles Unterfangen sein kann.

Die Zeit auf See war allerdings nicht nur monoton. Für etwas Aufregung war gesorgt, als wir ein Segelschiff ansteuerten, welches mit einer defekten Steueranlage im Meer trieb. Bei zwei Meter hohen Wellen ruderte unser erster Offizier Memo in einer tollkühnen Aktion mit einigen Ersatzteilen zu den Havarierten. Wohl war ihm dabei nicht, aber richtige Seemänner sind tapfer😉!

Und sie sind begnadete Fischer! Am Morgen vor unserer Ankunft zuckte es plötzlich kräftig an der ausgeworfenen Angelrute. Ein etwa 30 Kilogramm schwerer Kingfisch hatte angebissen und forderte unsere Crew, die eine halbe Stunde lang versuchte, ihn an Bord zu holen. Als es ihnen schliesslich gelang, freuten sie sich wie kleine Kinder, wie süss! Gekonnt zerlegte Kapitän César höchstpersönlich den Fisch, während das Boot mit Autopilot fuhr. Fahren? Ja, denn gesegelt wurde nur zur Unterstützung des Dieselmotors.

Wir tuckerten eine gefühlte Ewigkeit den längst sichtbaren Hochhäusern von Cartagena entgegen bevor wir gegen 14 Uhr nach 39-stündiger Fahrt über den Golf von Darien endlich im Hafen anlegten. Uff, geschafft! Während unsere Pässe im Immigrationsbüro gestempelt wurden, gab es zum Zmittag leckeren Kingfisch. Unser Gepäck wurde schon mal an Land gebracht und wir nutzten den praktischen Hochdruckreiniger in der Marina, um unsere Velos gründlich abzuspritzen. Das Salzwasser hatte besonders an den Ketten einige Rostflecken hinterlassen. Hoffentlich nur dort! Nach ungefähr zweistündiger Wartezeit waren unsere Pässe bereit. Damit war der Moment gekommen, uns von den Mitreisenden zu verabschieden und unsere Füsse auf festen Untergrund zu setzen. Willkommen im Südamerika!
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Danke für Eure immer so tollen, spannenden und interessanten Reiseberichte. Obwohl Ihr ja gerne auf einige «Erlebnisse» auf dem Schiff bestens hättet verzichten können.
Gute Erholung und weiterhin schöne, interessante, spannende und tolle Erlebnisse und wunderschöne Begegnungen. Freue mich schon auf den nächsten Bericht😃!!!
Danke, Tamara. Der neue Bericht kommt gleich😃. Irgendwie sind alle Ergebnisse immer unvergesslich und wertvoll. Immerhin wissen wir jetzt, dass es nach der Weltumradlung sicher keine Weltumseglung geben wird!😉
Haha «oma und opa» auf dem segelschiff! Stellt euch vor wir waren auch noch dort dann waren wir wohl «Urgrossies». Erholt euch gut und gute reise in Colombien!
Haha, könnte man so sagen😃. Aber ihr hättet mit den jungen Holländern auf dem Schiff sicher Spass gehabt.
Traumhafte Kulisse!
Wenn da nur die An- und Abreise nicht wäre😉…