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Pannen
Zelt
ohne Dusche
>50% Sonne
Schokolade
Hochs und Tiefs in Ecuador, Teil 2
Wir lehnen uns an die Wand eines Supermarkts und verbringen bei 33°C unsere Siesta. Es zieht uns nicht weiter, denn die Landschaft hier im Norden Perus ist langweilig flach und die Gegend furchtbar trostlos. Eine gute Gelegenheit, ein paar Zeilen über die vergangenen Wochen zu schreiben und in erfrischenden Gedanken an die kühle Bergluft im schönen Ecuador zu schwelgen.

Unser Bericht setzt dort fort, wo der letzte aufgehört hat: in Ambato. Aus den vorgesehenen zwei Nächten in der überschaubaren Stadt wurden schliesslich deren vier. Die längere Pause war insbesondere dem Abwarten von besserem Wetter geschuldet und hat sich sehr gelohnt. Da es in Ambato nicht viel zu sehen gab, kamen wir gar nicht in Versuchung, ständig unterwegs zu sein. Wir schalteten den Wecker aus, schliefen viel und kosteten die vielen Spezialitäten, welche uns unsere Gastgeberin empfohlen hatte. Beim täglichen Gang zum Zmittag auf den Markt wurden wir bereits per Handschlag begrüsst und mussten unsere Bestellung gar nicht mehr aufgeben: «das Übliche, bitte». Das Gericht Llapingacho, eine Art Kartoffelrösti mit Spiegelei, Avocado, Randensalat und optional Würstchen, schmeckte uns richtig gut! Weniger begeistert waren wir vom «Ponche Suizo», einem schaumigen, sündhaft süssen Getränk aus Eiern und Zucker. Scheinbar soll das Dessert von einer Schweizer Spezialität abgeleitet worden sein. Welche, bleibt für uns ein Rätsel.

Apropos Rätsel: Am Montag fand in den Strassen um unsere Unterkunft herum der grosse Wochenmarkt statt. Die Frauen sassen dicht an dicht neben ihren Marktständen oder auf der Strasse und verkauften Gemüse, Fleisch, Kleidung und Plastikwaren. Wir fragten uns, wie sie über die Runden kommen, denn alle boten identische Waren an.
Am letzten Tag unseres Aufenthalts in Ambato regnete es fast pausenlos. Gut, dass wir nicht unterwegs waren! Doch als wir am nächsten Morgen auf der Dachterrasse standen, erblickten wir von dort erstmals den schneebedeckten Gipfel des Vulkans Chimborazo. Prima, das war unser Startsignal!
Ausgeruht und aufgefuttert pedalierten wir leichtfüssig dem Fluss entlang auf den – vom Erdmittelpunkt gemessen – angeblich höchsten Berg der Welt zu. Aber wer misst schon vom Erdmittelpunkt😉? Das Wetter wurde immer besser, die Aussicht ebenso. Es lief so gut, dass wir bis zum Abend den Eingang des Chimborazo Nationalparks auf 4’360 Metern über Meer erreichten und dort im Schutz des Besucherzentrums campierten. Immer wieder einen Blick auf den wolkenlosen Chimborazo zurückwerfend, sausten wir am nächsten Tag 30 Kilometer an die Panamericana hinunter. Ihr folgten wir vier Tage lang durch schöne Berglandschaften und absolvierten dabei reichlich Höhenmeter. Kein Problem, denn in Cuenca hatten wir bereits wieder eine Pause eingeplant.


Cuenca soll die schönste Stadt Ecuadors sein und entsprechend hoch waren die Übernachtungspreise. Die günstigste Unterkunft fanden wir bei Miryam. Sie beherbergt auf dem Parkplatz ihres B&Bs Autoreisende und vermietet für Velofahrer ein kleines Kämmerlein zum Biwakieren. Wir haben unsere Unterbringung in die Kategorie «originell» eingeordnet: Der Zugang zum leeren Raum war nämlich nur über eine wacklige Klappleiter möglich, wobei wir auch den letzten Tritt benutzen mussten, auf dem gross stand, dass er nicht für Personen gedacht war. Zum Glück sind wir bei den unzähligen Auf- und Abstiegen nie abgestürzt und verbrachten unsere Zeit nicht im Krankenhaus, sondern konnten uns um die Instandstellung von Davids Velo kümmern. Im letzten Bericht hatten wir vom Missgeschick mit Davids Hinterradfelge berichtet und davon, wie ein Ersatz mit einer hilfsbereiten Wahl-Ecuadorianerin aus Europa eingeführt werden sollte. Hier in Cuenca kam der Moment der Wahrheit, denn wir durften die Felge zusammen mit weiteren Ersatzteilen bei Carolyn abholen. Erleichtert konnten wir alles in bestem Zustand entgegennehmen, herzlichen Dank! Noch am gleichen Abend reparierte David mit den mitgebrachten Komponenten sein Schaltwerk und montierte das neue Rücklicht sowie das passende Kabel. Danach brachten wir sein Velo zu einem vertrauenswürdigen, sachkundigen Velomechaniker, welcher das hintere Laufrad innerhalb eines halben Tages neu einspeichte. Ansonsten haben wir in Cuenca vor allem viel gegessen und gekocht, die hübsch aufgetürmten Süssigkeiten zu Ehren des Fronleichnams bestaunt und ein sehenswertes Panamahut-Museum besucht. Panamahüte erhielten ihren Namen übrigens deshalb, weil sie während dem Bau des Panamakanals beliebt und dadurch im Westen berühmt wurden. Hergestellt wurden sie immer in Ecuador.


Ab Cuenca schlugen wir den Weg hinunter an die Küste ein, denn dort befindet sich der einzige geöffnete Grenzübergang nach Peru. Wir hatten uns vorgestellt, dass wir in drei Tagen locker die 2’500 Höhenmeter hinunterrollen und schon bald in ein neues Land einreisen würden. So einfach war es aber nicht. Am ersten Fahrtag hatten wir bis zur Mittagszeit bereits 90 Kilometer zurückgelegt, als uns ein Motorradfahrer stoppte und mitteilte, dass die Strasse weiter unten von einem Erdrutsch verschüttet und unpassierbar sei. Der einzige Weg sei eine riesige Umfahrung, die uns wahrscheinlich zwei Stunden kosten würde. Jetzt, da er es sagte, fiel uns auf, dass es gar keinen Verkehr mehr gab.

Wir entschieden uns, nicht sofort mit der steil ansteigenden Umfahrung zu starten, sondern ein Stück weiter zu einer Tankstelle im Nirgendwo zu fahren. Dort erkundigten wir uns noch einmal nach der Situation und schauten nach, was der Umweg konkret bedeuten würde: Eine Strecke von 75 Kilometern inklusive eines 2’300 Höhenmeter langen Aufstiegs, anstelle einer tollen 16 Kilometer weiten Abfahrt. Oje! Aber es schien, als gäbe es keine andere Möglichkeit. Glücklicherweise befand sich neben der Tankstelle ein kleiner Laden mit vielen Snacks und ein Restaurant, wo wir uns beim Kaffeetrinken Motivation zusprachen. So waren wir gut gerüstet, um am nächsten Morgen die Passfahrt in Angriff zu nehmen. Wäre die Alternative nicht soooo viel einfacher gewesen, hätte uns der Umweg bis ins sympathische Dorf Pucará hinauf sehr gut gefallen. Oben bot sich ein schöner Blick aufs Wolkenmeer, in welches wir auf der Abfahrt eintauchen mussten.

Bergab war die Strasse nicht mehr asphaltiert und wurde mit abnehmender Höhe im Nieselregen immer schlammiger. Im untersten Teil war sie ebenfalls von Erdrutschen verschüttet worden und wir konnten mit dem Velo manchmal nur schiebend passieren. Uff, waren wir froh, erschöpft und nass, als wir nach acht Stunden Fahrzeit wieder die Hauptstrasse im Tal erreichten. Wohlbemerkt 16 Kilometer von der Tankstelle entfernt, von welcher wir am Morgen aufgebrochen waren. Beim Eindunkeln kamen wir im Lädeli von Suzanna an, wo wir in einem muffigen Kellerraum übernachten durften.

Von hier aus ging es noch fast 1’000 Höhenmeter auf Meeresniveau hinunter. Mit jedem zurückgelegten Kilometer wurde das Klima tropischer und bald gab es statt Kuhweiden nur noch Bananen- und Zuckerrohrplantagen. Obwohl die Küstenregion Ecuadors derzeit als gefährlich gilt und uns sogar die Einwohner warnten, dass die Situation in ihren Dörfern aktuell «sehr kompliziert» sei, hatten wir keinerlei Probleme und fühlten uns auf den Hauptstrassen jederzeit sicher. So erreichten wir zufrieden den freundlichen Grenzort Arenillas, wo wir für eine Nacht bei der Feuerwehr unterkamen. Nach einer rund einstündigen Fahrt und unkomplizierten Immigrationsformalitäten reisten wir heute Morgen in ein neues Land ein: «Bienvenidos a Perú»!
Geschrieben am 20. Juni 2026, publiziert am 28. Juni 2026








































































