Insgesamt verbrachten wir etwas mehr als eine Woche in Cajamarca. Am letzten Tag fühlten wir uns beide wieder richtig gut und wollten die Zeit für etwas Produktives nutzen.

Also suchten wir eine Zahnarztpraxis auf, um nach zwei Jahren unsere Zähne wieder einmal reinigen zu lassen. Die Praxis und ihre Belegschaft machten auf uns einen vertrauenswürdigen Eindruck, sodass wir die Wartezeit von zwei Stunden gerne in Kauf nahmen. Als wir uns nach der kurzen Behandlung am Empfang bedankten, wurden wir von der Sekretärin mit einer Umarmung verabschiedet. Jöö, das ist uns auch noch nie passiert😊.

Am Abend gönnten wir uns zur Feier unserer wiedererlangten Kräfte die wohl leckerste Pizza seit Italien! Auf dem Rückweg zur Unterkunft setzten wir uns für eine Weile in einen Park, in dem Jugendliche ihre kreativen Tanzchoreografien einstudierten. Wir waren fasziniert von ihren ausdrucksstarken Bewegungen und ihrem Gespür für Musik und Rhythmus. Dafür fehlt uns wohl ein Gelenk😉.

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Was uns ebenfalls fehlte, waren einige Stunden Schlaf, welche uns die Schweizer Fussballnati mit ihrem nervenaufreibenden Spiel gegen Argentinien raubte. Aber egal, am nächsten Morgen waren wir trotzdem bereit für die Weiterfahrt: Die Beine juckten und wir freuten uns darauf, in die Pedale zu treten. Die ersten 20 Kilometer kannten wir ja bereits und diesmal mussten wir nach dem Kaffeehalt nicht umkehren. Im Gegenteil, die Strecke machte uns den Einstieg erfreulich leicht. Es ging mehr bergab als hoch und die Strasse war durchgehend gut asphaltiert. Prima, so tankten wir Zuversicht und Selbstvertrauen.

Beides konnten wir auf der weiteren Route gut gebrauchen, denn ab Cajabamba wurde der Belag der Hauptstrasse 3N richtig schlecht und fehlte oft gänzlich. Dass wir zwischen Huamachuco und Cachicadán über eine Nebenstrasse abkürzten, war eigentlich nur an deren Breite erkennbar. Zurück auf der 3N deutete dann nichts mehr auf eine Hauptstrasse hin. Asphalt gab es keinen mehr und Verkehr auch kaum. Wen wunderts, würde die kurvige Strasse in der Schweiz doch etwa die «Metropolen» Innereriz und Abländschen verbinden, aber ohne etwas Nennenswertes dazwischen – und das mit der doppelten Anzahl an Höhenmetern.

Mit viel Geduld für die holprige Strasse und unser langsames Vorankommen gelang es uns dennoch, die Fahrt zu geniessen. Wir nahmen jeden Tag, wie er kam, schliesslich gab es keinen Grund zur Eile. Die Tante-Emma-Läden in den kleinen Dörfern versorgten uns mit allem, was wir benötigten und das Zelten war stets sehr unkompliziert. Sogar mit der peruanischen Küche hatten wir uns inzwischen angefreundet: Wir haben nämlich herausgefunden, dass die Hühnchen- oder Fleischsuppe auch ohne Fleischklosse bestellt werden kann und dann schmeckt die Brühe mit Kartoffeln und bis zum Zerfall verkochten Pasta ganz ordentlich.

Tamara und Simon, denen unsere Velos auf dem überschaubaren Dorfplatz von Pallasca aufgefallen waren, bekamen beim gemeinsamen Mittagessen eine unverhoffte Kostprobe unserer Entdeckung (Entschuldigung…😉!). Wir hatten das Schweizer Radlerpaar bereits in Mexiko kennengelernt und fahren ungefähr die gleiche Route. Uns hat das Wiedersehen sehr gefreut und wir sind gespannt, wann sich unsere Wege zum nächsten Mal kreuzen.

Von Pallasca aus benötigten wir etwa fünf Stunden, um 2’000 Höhenmeter zu vernichten. Auf einer Schotterstrasse holperten wir in sehr eindrücklicher Kulisse einen Berghang zum Río Tablachaca hinunter. Dessen Schlucht folgten wir auf einer zunehmend asphaltierten Strasse und kamen aus dem Staunen über die spektakuläre Landschaft nicht mehr heraus. Übrigens sucht man Leitplanken an den Strassen durch die steilen Flanken oder auch am Flussufer vergebens. Dafür gibt es keinen Platz und spätestens in der nächsten Regenzeit würden sie, wie auch der Asphaltbelag, durch Erdrutsche oder Wassermassen ohnehin wieder zerstört. Trotzdem verdienen die peruanischen Strassenbauer unser Lob, denn Steigungen betragen selten mehr als 5% und die Höhendifferenz wird lieber mit unzähligen Serpentinen überwunden.

Im Aufstieg nach Caraz folgten wir dem Cañon del Pato. Besonders toll fanden wir die 35 stockdunklen Tunnels, welche für eine ehemalige Eisenbahnlinie gebaut wurden und uns wohltuenden Schatten spendeten. Nach einer siebentägigen Fahrt kamen wir müde, aber zufrieden in der Stadt Caraz an. Hier machen wir einige Tage Pause, bevor wir die Bergwelt der Cordillera Blanca mit ihren vergletscherten Gipfeln zu Fuss erkunden möchten.