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Pannen
Zelt
ohne Dusche
>50% Sonne
Schokolade
Unterwegs im Huascaran Gebirge
Das Zentrum des Städtchens Caraz war so überschaubar, dass wir schon bald unsere Stammplätze für die Mittagssuppe, die leckeren Blaubeertörtchen und das abendliche Fladenbrot (Cachanga) mit Kaffee gefunden hatten.

Für die Vorbereitung unserer achttägigen Wanderung (mit Unterbruch zum Einkaufen) nahmen wir uns bewusst viel Zeit. So verbrachten wir einen ganzen Tag damit, an den unzähligen Marktständen unseren Proviant zusammenzusuchen, für alle Fälle eine Papierkarte auszudrucken und unsere Rucksäcke zu packen. Mit dabei waren auch meine neu erstandenen Socken aus Alpacawolle für die kalten Nächte in der Höhe. Am Morgen vor dem Abmarsch brachte uns die Nachbarin des Hostels pünktlich um 6:30 Uhr die bestellten Tamales vorbei. Sie waren noch heiss und rochen himmlisch. Damit hatten wir nun wirklich alles parat und es konnte losgehen!

Der Weg zur Busstation führte über den farbenfrohen Wochenmarkt. Ich konnte mich an den sorgfältig hergerichteten Gemüseauslagen und den indigenen Frauen mit ihren bunten Tragtüchern und bestickten Hüten fast nicht sattsehen. Es störte mich daher überhaupt nicht, dass wir noch eine Weile warten mussten, bis sich genügend Fahrgäste eingefunden hatten, um das Sammeltaxi zu füllen. Im Kleinbus fuhren wir etwa eine halbe Stunde den Berg hinauf zum Startpunkt unserer Wanderung in Cashapampa. Bevor wir losmarschierten, gönnten wir uns in der Bergwirtschaft eine Suppe und beobachteten, wie Eselkaravanen ankamen und mit Gepäck be- oder entladen wurden. Die ersten Tage unserer vorgesehenen Route führten über den Santa Cruz Trek, eine sehr beliebte Mehrtageswanderung, die gerne auch in organisierten Gruppen mit Unterstützung von Lasteseln begangen wird.

Wir waren unsere eigenen Esel und trugen die schweren Rucksäcke selbst den Berg hinauf. David schlug im Anstieg ein angenehm gemächliches Tempo an. Eine Qualität, von der ich gar nicht wusste, dass David sie hatte😊. Die Tamales schmeckten zum Zmittag köstlich und eine Kuh freute sich über die Maisblätter, in welche sie eingewickelt waren. Am frühen Nachmittag erreichten wir ein weites Tal mit tollem Blick auf die verschneiten Berge. Das erste offizielle Camp war uns zu voll, sodass wir einige Kilometer weiterwanderten und im Schutz von Sträuchern einen angenehmen Zeltplatz fanden. Sehr zufrieden mit dem ersten Wandertag richteten wir uns ein, filterten Wasser und kochten unsere Instantnudeln zum Znacht. Nach einigen Bissen überkam David ein Brechanfall. Damit war die Stimmung für den Abend im Eimer. Davids unberechenbarer Magen machte uns beide ratlos. Ob es diesmal vielleicht am Höhenunterschied lag? Eigentlich würden wir es lieben, mit Freude und Zuversicht unsere (Weiter)Reise zu planen aber so macht alles keinen Spass und keinen Sinn.

Die atemberaubend schöne Bergwelt vermochte mich am nächsten Tag nicht aufzuheitern. So marschierte ich in Gedanken versunken und wortlos hinter David her. Für Erleichterung sorgten einige Eseltreiber, denen wir nach und nach unsere übermässig vielen Tamales verschenkten. Zum Glück sind die Menschen hier nicht wählerisch und nehmen auch unverpacktes Essen aus fremden Rucksäcken gerne entgegen😊. Nach dem Mittagsrast hatten wir die Wahl, auf 4’200 Metern verhältnismässig tief zu übernachten oder den 4’750 Meter hohen Pass Punta Union noch zu bewältigen und auf der anderen Seite möglichst weit abzusteigen. Wir entschieden uns für die zweite Variante, welche uns einen langen Tag bescherte. Für den 500 Meter langen Aufstieg benötigten wir mehr als zwei Stunden. Spannenderweise fehlte uns nicht die Luft, sondern vielmehr die Kraft in den Beinen, sodass wir viele Pausen einlegen mussten. Nach einigen Passfotos war der Abstieg dann sehr viel einfacher als gedacht aber eben trotzdem lang. Beim Eintreffen am vorgesehenen Übernachtungsplatz war ich ziemlich fertig und zweifelte daran, die weiteren sechs Wandertage kräftemässig zu schaffen. Doch David konnte mich so nachhaltig aufmuntern, dass ich am nächsten Morgen zuversichtlich und motiviert losmarschierte.

Nachdem wir die ersten paar Höhenmeter auf dem weniger ausgetretenen Pfad in Richtung Jancapampa absolviert hatten, wurde es David wieder unwohl. Er war angespannt, nervös und nach wie vor appetitlos. Nach einer längeren Diskussion entschieden wir, auf die Route des Santa Cruz Treks zurückzukehren und die vorgesehene achttägige Rundwanderung auf drei Tage zu verkürzen. Schade! Das Wetter erleichterte uns den vorzeitigen Abbruch etwas, denn bei unserer Ankunft im Dörfchen Vaceria setzte Regen ein. Eigentlich hätten wir hier gerne eine kleine Pause eingelegt und etwas getrunken aber eine nette Dame hatte den einzigen Bus des Tages extra für uns aufgehalten. Also überlegten wir nicht lange und stiegen ein. Bei sonnigem Wetter wäre die Passfahrt mit den schier endlosen Serpentinen richtig spektakulär gewesen. So waren wir einfach nur froh, im Trockenen zu sitzen und nicht über die dreckige Strasse pedalieren zu müssen. Angesichts des Regens verzichteten wir auf einen Besuch der Lagune 69 und liessen uns stattdessen in einer vierstündigen Fahrt direkt nach Yungay chauffieren. Von dort aus ging es im Sammeltaxi rasant zurück nach Caraz.
Glücklicherweise war in unserem Hostel trotz der spontanen Rückkehr noch ein Zimmer frei. Wir blieben weitere drei Nächte in der freundlichen Unterkunft bis wir uns beide wieder fit fühlten und eine Entscheidung über die weitere Routenwahl getroffen hatten. Wegen des peruanischen Nationalfeiertags waren die Preise für Unterkünfte in der nahe gelegenen Stadt Huaraz ins Unermessliche gestiegen. Ein Umweg drängte sich daher auf😉.

Den ersten Velotag gingen wir erst einmal ruhig an. Bereits nach 15 Kilometern legten wir in Yungay eine längere Pause ein, um die Gedenkstätte Campo Santo zu besuchen. Diese erinnert an die 25’000 Menschen, welche 1979 infolge einer durch ein Erdbeben ausgelösten Lawine ihr Leben verloren. Doch ausser Souvenirständen und Selfiespots gab es nur ein extrem oberflächliches Museum zu sehen. Eine Schande für eine Tragödie dieses Ausmasses! In fünf Minuten Internetrecherche fanden wir im Nachhinein tiefgründigere Informationen und bewegende Berichte wie zum Beispiel diesen Podcast.


In Carhuaz machten wir unseren Mittagshalt und von hier startete die fünftägige Fahrt über drei hohe Pässe. Die spektakulärste Kulisse bot zweifellos die 4’740m hohe Punta Olímpica mit ihren unzähligen Serpentinen und der Aussicht auf die vergletscherten Berge. Doch auch das Panorama von der Kapelle auf der Abra Huachacocha sowie der Blick zurück auf der Abfahrt nach Catac konnten sich sehen lassen. Wir genossen die (manchmal holprige) Fahrt durch die Berge, das Zelten und das Unterwegssein sehr und waren froh, dass wir nach der enttäuschenden Wanderung wieder den Tritt gefunden hatten. Und was sind schon unberechenbare Magenprobleme, die einem manchmal einen Strich durch die Rechnung machen? In diesen Tagen bekamen wir eine WhatsApp-Nachricht von Corine und Erwin. Wir hatten das Schweizer Radlerpaar in Kanada einige Male getroffen, hatten uns bestens verstanden und waren seither in Kontakt geblieben. Die beiden waren uns etwa zwei Monate voraus und pedalierten durch Bolivien, wo sie von einem Auto angefahren und schwer verletzt wurden. Ihre Reise endete tragischerweise mit einem Repatriierungsflug im Rega-Jet. Wir wünschen euch von ganzem Herzen das Allerbeste und dass ihr euch schnell erholt, Corine und Erwin!
Wir hatten also überhaupt keinen Grund, uns über Verpasstes oder eine erneute Zwangspause zu ärgern! Letztere war diesmal dem abgenutzten Lager von Davids Nabendynamo geschuldet. Es hatte sich vor einigen Wochen mit einem ungemütlichen Wackeln des Vorderrads bemerkbar gemacht. Auf der Suche nach einem Ersatz fragten wir in einer WhatsApp-Gruppe, ob jemand nach Huaraz in Peru fliegt? Und zum Glück bekamen Tamara und Simon, unsere anderen Schweizer Velofreunde, in Huaraz Besuch von einem Freund. Dieser war so lieb, uns einen Ersatzdynamo aus der Schweiz mitzubringen. Ein riesiges Dankeschön an Sven, Tamara und Simon! Die drei hatten das Ersatzteil im Velofahrer-Hostel Tambo in Huaraz hinterlegt, sodass wir es nur noch abholen und einbauen lassen mussten.

Um uns die hektische Stadteinfahrt mit dem Velo zu ersparen, entschieden wir uns für einen Ausflug mit dem Bus. Also fragten wir in Catac auf der Polizeistation an, ob wir unsere Velos und das Gepäck für drei Nächte deponieren dürften. Eine nette Polizistin offerierte uns ihr Schlafzimmer als Aufbewahrungsort. Erst als wir uns von ihr verabschiedeten, verstanden wir, dass sie nun vier Tage Urlaub hatte und wir unsere Sachen erst nach ihrer Rückkehr abholen konnten. Janu.
Mit frischen Kleidern und Davids Vorderrad fuhren wir etwa eine Stunde im Kleinbus nach Huaraz. Hier richteten wir uns etwas gegen meinen Willen im Hostel Tambo ein. Mir graute es vor den vielen Velofahrern, die sich mit den geilsten Routen, den abenteuerlichsten Geschichten und der ausgeklügeltsten Ausrüstung gegenseitig übertrumpfen müssen. So schlimm war es aber nicht, denn ohne unsere Velos waren wir inkognito und konnten uns wahlweise an Diskussionen beteiligen oder eben auch nicht.
Davids Vorderrad brachten wir zusammen mit dem neuen Nabendynamo zu einem zuverlässig und professionell wirkenden Mechaniker. Innerhalb eines Tages speichte er die alte Nabe aus und die neue wieder ein. Seine Arbeit kostete sagenhafte 20 Soles (ca. 5 Franken) sowie zusätzliche 50 Soles für ein Fläschchen Kettenöl aus Europa😉. Wow, was für ein Service!
Nun sitzen wir auf dem Balkon unserer Unterkunft, schreiben diese Zeilen und werden später noch etwas durch die Strassen von Huaraz schlendern.



































































