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Pannen
Zelt
ohne Dusche
>50% Sonne
Schokolade
Grosse Berge, grosse Minen und eine Grossstadt
Die Stadt Huaraz dünkte uns kein Bijou, aber ihre Lage am Fusse des Huascarán Gebirges, ihre Lebhaftigkeit und ein leckeres indisches Zmittag waren eine Freude.
Dennoch ist der Ort für uns nicht mit den besten Erinnerungen verbunden. Als wir nämlich abfahrtsbereit waren, überkam David einmal mehr ein Brechanfall, welcher uns einen Zusatztag im Velofahrer-Hostel Tambo bescherte. Ratlos und traurig verschanzten wir uns in unserem Zimmer. Wir hatten keine Lust, uns die fröhlichen Geschichten und optimistischen Pläne der anderen Reisenden anzuhören, während Davids Magen unser weiteres Vorankommen infrage stellte. Es war nicht der beste Tag unserer Reise…

Am nächsten Morgen fühlte sich David wieder fit genug, um mit dem Minibus nach Catac zurückzufahren und dort unsere Velos sowie das Gepäck auf dem Polizeiposten abzuholen. Die Polizistin, welche unsere Sachen freundlicherweise in ihrem Schlafraum aufbewahrt hatte, freute sich so sehr über die Toblerönchen, die wir ihr als Dankeschön mitgebracht hatten, dass sie mit ihrem Lachen unsere Gemüter aufheiterte. Mit wiedergewonnener Zuversicht packten wir unsere Velos und David montierte sein neu eingespeichtes Vorderrad, das perfekt rund lief. Das musste ein gutes Omen sein! Nach einer fleischlosen Hühnersuppe machten wir uns gemütlich auf den Weg.

Die ersten Kilometer pedalierten wir mühelos auf einer guten Asphaltstrasse bevor wir auf eine ebenfalls gute Schotterpiste in Richtung Huascarán Nationalpark abbogen. Ein erster Blickfang waren die riesigen Puya Raimondi Pflanzen, welche hier vorkommen. Unter anderem ihretwegen hatten wir uns für diese Route entschieden. Ebenfalls als sehr lohnenswert erwies sich der Abstecher zum Pastoruri Gletscher (oder was davon noch übrig ist) und dem spiegelglatten Bergsee an seinem Fusse. Glücklicherweise waren wir vor den vielen Touristenbussen angekommen und konnten die Bergwelt in aller Ruhe geniessen. Auf 5’000 müM fühlte sich jegliche Art von Tschaupe ziemlich anstrengend an. Der lokale Zaubertrank, Tee aus Kokablättern, tat richtig gut und stärkte uns für die Weiterfahrt über die schlechter werdende Schotterpiste.

Kurz nachdem wir einen namenlosen Pass auf 4’860 Metern überquert hatten, erreichten wir wieder eine gute Asphaltstrasse und sausten auf ihr schnell ins Dorf La Unión hinunter, um von dort gleich wieder über die nächste Schotterstrasse aufzusteigen. Wegen der Höhe, den Anstiegen und der holprigen Unterlage kamen wir nur langsam voran. Dies störte uns allerdings nicht, denn die Ausblicke auf Berge und Seen waren fantastisch und die Menschen in den kleinen Dörfern begegneten uns sehr herzlich, freundlich und gwundrig. Je höher wir kletterten, desto mehr beherrschte (und verunstaltete) die Minera Raura das Landschaftsbild. Dem schweren Minenverkehr war es zu verdanken, dass die ersten Kurven der Abfahrt mit einer zentimeterdicken Schicht aus feinstem Sandstaub bedeckt waren. Also bloss nicht absteigen oder hinfallen!

Zwischen Catac und Oyón hatten wir in fünf Tagen 300 Kilometer mit 5’500 Höhenmetern auf mehrheitlich unbefestigten Strassen zurückgelegt. David ging es zwar inzwischen besser, aber ihn plagte noch immer eine Morgenübelkeit, weshalb eine etwas leichtere Routenwahl nicht schaden konnte. Also schlugen wir ab Oyón den vermeintlich einfachsten und direktesten Weg nach Cerro de Pasco ein. Doch «einfach» ist in Peru relativ😉. Dass der Belag zwischen holpriger Piste und unzerstörbarem, glattem Beton wechselte, überraschte uns nicht. Aber als es nach dem steilen Schlussanstieg durch ein staubiges Minengebiet auf über 4’700 Metern zu schneien und zu gewittern begann, wurde es ungemütlich. Vor allem Blitz und Donner, die weniger als eine Sekunde auseinanderlagen, machten uns Sorgen! Zum Glück kamen wir nach kurzer Abfahrt in einen kleinen Weiler mit Restaurant. Die Minenarbeiter lachten, als sie uns Schneemenschen anrollen sahen und wir freuten uns über ein warmes Zmittag. Warm war allerdings nur das Essen, denn geheizt oder isoliert wird hier nirgends. Drinnen und draussen war es genau gleich kalt, nur gab es im Restaurant Schutz vor Wind und Schnee.

Als wir uns mit Essen gestärkt und mit Kaffee aufgewärmt hatten, war es draussen wieder freundlicher, sodass nichts mehr gegen die Weiterfahrt sprach. Pünktlich auf der nächsten Passhöhe holte uns der Schneesturm wieder ein, diesmal erfreulicherweise ohne Gewitter. Schnell packten wir uns gut ein und machten uns an die Abfahrt. Unser Ziel war ein kleines Dörfchen, wo wir uns ein geschütztes Plätzchen zum Übernachten erhofften. Als wir uns dort in einem Restaurant nach einem trockenen Zeltplatz erkundigten, erklärte uns die Wirtin, dass sie Räume vermiete. Wir nahmen ihr Angebot sehr gerne an und stellten für umgerechnet 2.50 CHF in einem leeren Zimmer unser Zelt auf.

In der Nacht und am nächsten Morgen regnete es so kräftig, dass wir beschlossen, einen Pausentag einzulegen. Bei nasskalten 6°C war es eigentlich nur im Schlafsack gemütlich, aber immerhin hatten wir einen trockenen Unterschlupf. Nach einer weiteren regnerischen Nacht war die unbefestigte Strasse am nächsten Morgen noch ziemlich nass. Wir waren jedoch optimistisch, dass sie bald abtrocknen würde und fuhren motiviert los. Doch im Aufstieg setzte wieder Schneefall ein und die Piste wurde richtig übel. Wir mussten alle paar 100 Meter unsere Ketten putzen, um überhaupt noch Pedalieren zu können. Der Eismatsch verklemmte die Kettengelenke, weshalb David mit klammen Fingern aus Gummibändern und Kabelbindern ein Konstrukt anfertigte, um unsere beiden Kettenspanner zu entlasten und irgendwie funktionsfähig zu halten. Seit meinem defekten Kettenspanner in Australien weiss er, wie das geht😉.

Immerhin erreichten wir noch am Vormittag die nächste Tankstelle in 30 Kilometern Entfernung. Dort verbrachten wir zwei Stunden damit, unsere Velos und Taschen zu putzen und wieder fahrtüchtig zu machen. Nach der Arbeit kam dann das Vergnügen und wir gönnten uns in der nahen Minenstadt Cerro de Pasco zuerst einen Blick in den tiefen Minenschacht und dann einen wohltuenden Kaffee mit Gebäck. Eigentlich hatten wir nicht vorgehabt, hier in einem Hotel zu übernachten aber die fortgeschrittene Zeit wollte es so. Zugegebenermassen war es auch nicht verkehrt, nach acht Tagen wieder einmal warm zu duschen. Doch bei 6°C im Zimmer kostete uns dies ziemlich viel Überwindung🥶.

Von Cerro de Pasco aus ging es zum Bosque de Piedras bei Canchacucho, einer Steinlandschaft, die von Weitem wie ein Wald aussieht. Entlang des ruhigen Westufers des Lago Chiuchaycacha pedalierten wir weiter nach Junín, wo wir auf die Hauptstrasse einbogen.
Zwei Tage lang rollten wir auf dieser guten Asphaltstrasse leicht abwärts und mit Rückenwind der Stadt Huancayo entgegen. Vielleicht hätte es sehenswertere Routen gegeben, aber das zügige Vorankommen machte richtig Spass. Und bei Huancayo gab es viel Kunsthandwerk zu bestaunen. Filigraner Silberschmuck, Alpaka-Teppichwebereien, eine Hutmachereien und brandgeritzte Kürbisse begeisterten uns in dieser Reihenfolge immer mehr und obwohl wir nichts kaufen wollten, füllten sich unsere Velotaschen mit schönen Souvenirs😊.

Für die Stadteinfahrt nach Huancayo im Abendverkehr waren gute Nerven gefragt: Autos, Taxis und Kleinbusse hielten mitten auf der Strasse an, ihre Fahrer hupten und schrien laut irgendwelche Ortsnamen, um weitere Passagiere anzuwerben. Dazu kamen Trillerpfeifen von Polizisten, uns jagende Hunde, defekte Ampeln, tiefe Schlaglöcher und kriminelle Temposchwellen. Und zum Schluss wartete noch das enge Treppenhaus unserer Unterkunft mit sechs Stockwerken auf uns. Uff, damit hatten wir uns eine Pizza verdient😊! Zum Glück waren die Mühen nicht bloss für eine Nacht, denn unsere Velos und Taschen durften eine Weile in Huancayo bleiben, während wir eine Kurzreise unternahmen.

Über meine Eltern hatte ich erfahren, dass meine Kindergartenfreundin Agnes seit vielen Jahren in Lima lebt und dort an der internationalen Schweizerschule unterrichtet. Weil zwischen Huancayo und Lima bequeme Nachtbusse verkehren, entschieden wir uns spontan, Agnes von hier aus zu besuchen. Für unschlagbare 7.25 CHF pro Person fuhren wir über Nacht nach Lima, wo wir von Agnes und Gustavo in ihrem schönen Zuhause sehr herzlich empfangen wurden. Ich habe mich über das Wiedersehen nach 25 Jahren riesig gefreut und David und ich haben den kurzen Aufenthalt in bester Gesellschaft sehr genossen. Mit viel Gesprächsstoff, leckerem Essen, gutem Kaffee und etwas Sightseeing in der peruanischen Hauptstadt vergingen die zwei Tage wie im Flug und schon bald mussten wir uns wieder verabschieden. Vielen herzlichen Dank, Agnes und Gustavo, für eure Gastfreundschaft und die tolle Zeit!!

Am Montagabend stürzten wir uns zur Pendlerzeit ins Gedränge des Schnellbussystems von Lima. Wie wir es schafften, die direkte Expresslinie zum Busbahnhof zu erwischen, können wir nicht erklären. Es war nichts angeschrieben, wir stiegen einfach in den ersten Bus ein und schwups, standen wir am anderen Ende der Stadt. Es klappte alles wie am Schnürchen, wir ergatterten wiederum günstige Tickets für den Nachtbus, der uns nach Huancayo zurückbrachte. Hier bleiben wir noch zwei Nächte in unserer angenehmen Unterkunft, um ausgeruht in die nächste Etappe zu starten…





































































































Ohh ihr seid schon soo weit gekommen und ein bitzeli neidisch sind wir jetzt schon🙈. Passt weiter gut auf euch auf! Ein Unglück ist schnell passiert haben wir selber jetzt erfahren, und wir wollen noch lange von eure reise und eure berichte geniessen können! Häb sorg und umarmung von uns
Erwin und Corine
Hallo zusammen
Die Lamas sind ja so härzig! Wir wünschen euch weiterhin eine sichere und erlebnisreiche Fahrt durch Südamerika. Mögen eure Ketten immer schön sauber, und die Schaltung geschmeidig sein 😉
Liebe Grüsse
Damian & Vivi
Wieder so ein imteressanter Bericht und so
schöne Bilder, wow wow wow.
Ich bewundere euch sehr !
Fahred guät und hebed Sorg.