meter
meter
Pannen
Zelt
ohne Dusche
>50% Sonne
Schokolade
Von Cusco an die Copacabana
Mit Seebrise im Haar und Aussicht auf den Strand lässt sich der 100. Blogeintrag unserer Reise spielend leicht schreiben. Bikinimode, Samba und Caipiriña gibt es im bolivianischen Copacabana allerdings nicht. Wir sitzen in der Daunenjacke auf der Dachterrasse unserer Unterkunft und blicken auf den Titicacasee.

Seit unserem Aufenthalt in Cusco sind knapp zwei Wochen vergangen und über diese möchten wir euch hier berichten. Zwei Ruhetage in der meistbesuchten Stadt Perus waren bestimmt nicht zu viel. Sie gingen mit Stadtbummeln, Veloservice und Blogschreiben blitzschnell vorbei. Wir hätten problemlos noch viele weitere Nachmittage gemütlich bei Kaffee und Kuchen verbringen können, ein Luxus, den man ausserhalb der Touristenzentren kaum findet. Unser 90-tägiges Visum für Peru liess uns jedoch keinen grossen Spielraum mehr, sodass wir uns schon bald wieder vom komfortablen Stadtleben verabschiedeten.
Auf einem vom Autoverkehr abgetrennten Veloweg rollten wir ziemlich angenehm aus der Stadt heraus. War das wirklich Peru? Nach zehn Kilometern holte uns die Realität ein, mit der Ruhe war vorbei und wir befanden uns auf der Hauptstrasse 3S, welcher wir zwei Tage lang durch ein unspektakuläres Tal folgten. Amüsiert haben wir uns über die Brothauptstadt Oropesa, wo jedes Gebäude eine Bäckerei beheimatet. Alle produzieren die identischen, süssen Brote, welche an der Strasse dicht an dicht verkauft werden. Wie das wohl rentiert? Und ja, das ist Peru😉! Ofenfrisch schmeckte das Gebäck ganz ordentlich aber wir würden dafür keine grossen Sprünge machen.

Gross oder zumindest steil war dann der Anstieg zu den Regenbogenbergen Pallay Punchu. Sie sind im Vergleich zu den berühmten Regenbogenbergen bei Cusco weniger bekannt und besucht. Zum Glück hatte mich David darauf vorbereitet, dass uns eine Schotterstrasse mit einer durchschnittlichen Steigung von 10% erwarten würde. So konnte ich meine Laune knapp im geniessbaren Bereich halten, obwohl ich die gesamten sechs Kilometer schieben musste, während David fast den ganzen Weg pedalierte. Oben angekommen, brachte mich die Unterhaltung mit netten Touristen aus Kanada und ihrem russischen Reisebegleiter schnell auf andere Gedanken. Die kurze Wanderung zu den eindrücklich farbig geschichteten Felsen liess uns die Anstrengung schnell vergessen. Es war ein sehr lohnender Ausflug, wenn auch längst kein Geheimtipp mehr.

Nach einer rasanten Abfahrt verschlangen wir im Dörfchen Layo hungrig ein ordentliches Mittagsmenü. Mit neuer Energie erreichten wir pünktlich zum Einsetzen des abendlichen Gewitters das Dorf El Descanso. In einer verhältnismässig gemütlichen Cafeteria warteten wir den Regen ab, bevor wir auf der Suche nach einem geeigneten Zeltplatz noch einige Kilometer zurücklegten. Was wir zum Übernachten fanden, war ein unglaublicher Glücksfall! In Peru haben Gebäude eigentlich nie ein Vordach… ausser der Kirche eines kleinen Weilers, den wir beim Eindunkeln erreichten. Die nette Frau im Dorflädeli erlaubte uns mit grösster Selbstverständlichkeit, unter dem Blechdach zu campieren. Wir waren noch am Aufbauen, als es heftig zu regnen begann und nicht aufhörte, bis wir tief und fest schliefen. Läck, waren wir froh um unser trockenes, windgeschütztes Plätzchen!

Der nächste Tag startete neblig und auf den ersten Kilometern ziemlich verkehrsreich. Doch nachdem wir die Hauptverkehrsroute nach Arequipa verlassen hatten, wurde es plötzlich ruhig. Ab Hector Tejada folgten wir einer tollen, einspurigen Teerstrasse, die uns fast verkehrsfrei und idyllisch durch das peruanische Hochland führte. Gegen Abend war es mit der Idylle vorbei, denn es zogen einmal mehr dunkle Gewitterwolken auf. Mit zügigem Rückenwind schafften wir es auch an diesem Tag noch vor Einbruch der Dunkelheit und vor dem Einsetzen des Regens in eine kleine Ortschaft. Und auch diesmal hätten wir es besser nicht treffen können! Dank den Arbeitern einer nahegelegenen Mine war das Dörfchen aussergewöhnlich belebt und es gab nicht nur die üblichen kleinen Tante-Emma-Läden, sondern auch mehrere Restaurants am Hauptplatz. Das Abendessen der Arbeiter sah so lecker aus, dass wir gerne aufs Kochen in der Kälte verzichteten und uns in einem warmen Lokal eine heisse Mahlzeit gönnten. Weil der umtriebigen Wirtin und ihrem Mann das halbe Dorf gehörte, fanden sie für uns eine leere Kammer, in der wir unser Zelt trocken und windgeschützt aufbauen durften. Herzlichen Dank dafür!


Über einen hübschen Pass mit guter Strasse erreichten wir das Städtchen Lampa und von dort am nächsten Tag den Touristenmagneten Puno. Wir verbrachten nur eine Nacht in der Stadt am Titicacasee, rollten mit dem Velo durch die Fussgängerzone, spazierten zum Quai und beschränkten uns ansonsten aufs Wesentliche: eine heisse Dusche, einen guten Kaffee und eine leckere Pizza😊.

Bis zu unserer Ankunft in Puno hatte es der Wind gut mit uns gemeint. Auf der Weiterfahrt bliess er nun aber zügig von der Seite oder von vorne. Da es auf der zersiedelten Ebene am Südufer des Sees weder viel Ablenkung noch viel Sehenswertes gab, kamen wir trotzdem gut vorwärts. Wir wollten auch nicht länger als nötig auf dieser Strecke verweilen, denn die verkehrsreiche Strasse war schmal und die Autos fuhren schnell und rücksichtslos. Hauptsache, die Hupe funktioniert… Grrr, der peruanische Fahrstil nervte uns gewaltig!

Umso mehr genossen wir die ruhige Küstenstrasse ab dem Städtchen Juli. Sie führte uns zur Juliwood Lodge, deren nette Besitzerin sich bei Warmshowers registriert hat und Reisenden eine kostenlose Übernachtung anbietet. Eigentlich hätten wir als Entschädigung gerne bei Claudia einen Kaffee getrunken und Znacht gegessen, aber beides gab es im geschlossenen Restaurant nicht. Stattdessen wurden wir eingeladen, die Küche zu benutzen und im Speisesaal mit herrlicher Aussicht unsere Matten zum Übernachten auszurollen. Vielleicht ist es besser, dass man in Restaurantküchen nicht immer hinter die Kulissen sieht. Wir mussten nämlich erst einmal abwaschen und uns im Chaos ein Plätzchen schaffen, bevor wir überhaupt unsere Pasta zubereiten konnten. Na gut, die Nacht an der Fensterfront über dem Titicacasee war trotzdem schön und Claudia war eine herzliche und grosszügige Gastgeberin.


Nach einem kurzen Abstecher zu einem kaum besuchten zeremoniellen Zentrum der Inkas direkt am Seeufer ging es in den peruanischen Grenzort Yunguyo und von dort am zweitletzten Tag unseres Visums unkompliziert über die Grenze nach Bolivien. Hier bleiben wir nun für ein paar Tage im Touristenort Copacabana und geniessen das Nichtstun.









































































Diese Brothauptstadt haben wir auch passiert und uns genau das Gleiche gefragt. Wie nur ist das möglich hier als Bäckerei zu überleben?!😅
Hahaha, und hat euch das Brot geschmeckt😉? Wir haben gerade über euer Bergsteiger-Erlebnis gelesen. Herzliche Gratulation zum 6000er🥳! Gute Weiterfahrt und vielleicht bis bald!
…s’Tschaupe händ wieder gschribä :-). Vielen Dank für den erneut schönen Bericht und die wundervollen Fotos‘. Ihr zwei seid einfach unglaublich. Weiterhin «bonne route» und hebed sorg!
«…s’Tschaupe händ gschribä» ist bei uns schon zu einem geflügelen Wort geworden😄.